STAINZ
Umbau auf RC und Akku-Betrieb


 


Alle im Freiland-Betrieb eingesetzten und mit einem Elektromotor angetriebenen Fahrzeuge werden von mir auf Stromversorgung mit Akkus und Regelung mit Funkfernsteuerung umgebaut.
Die Gründe für diese Entscheidung können Sie im Pflichtenheft für meine Gartenbahn nachlesen.

Mein erstes Umbau-Projekt war die STAINZ von LGB.

Benötigtes Material:

  • 1 einfache Funkfernsteuerung (2 Kanäle)

  • 1 Fahrregler, für Geschwindigkeit und wechselnde Fahrtrichtung;
    Ich benutze den Profi HF 40, Best.Nr.: 08 1300,
    von der Firma JAMARA, Am Lauerbühl 5, D-88317 Aichstetten
    (Fon: 0 75 65 / 94 12-0; Fax: 0 75 65 / 94 12-23).

  • 1 Festspannungsregler 5 Volt für die Beleuchtung

  • Acht Akkus mit Lötfahne zu je 1,2 Volt; Nickel-Metallhydrid-Akkus sind besonders empfehelenswert, da diese keinen Memory-Effekt, aber deutlich mehr Kapazität als andere Akkus haben.

  • 3 Einbau-Kippschalter zum Schalten des Akku-Stromkreises, der vorderen und der hinteren Beleuchtung

  • 1 Einbau-Akku-Ladebuchse

  • Kabel, falls gewünscht: lösbare Verbindungselemente

  • geeigneter Lötkolben und Zinn, Bohrmaschine, Bohrer


Vorgehen:

  1. Vollkommene Zerlegung der Lok in ihre Bestandteile

    Die wesentlichen Baugruppen mit
    fliegend verdrahteten RC-Komponenten

  2. Entfernung aller Schleifer-Elemente im/am Motorblock der Lok

  3. Herrichten einer 2-adrigen Kabelverbindung mit Steckern, die auf die Kontaktstücke im Motorblock der Lok passen

  4. Anlöten dreier Entstörkondensatoren mit mindestens je 100nF Kapazität (ca. 40 Volt) am Motor zwischen:

    Gehäuse und Minus-Pol
    Gehäuse und Plus-Pol
    Plus- und Minus-Pol

    Wichtig!!
    Ohne diese Maßnahme kann der Fahrregler zerstört werden!

  5. Herstellung eines in den Kessel passenden Akku-Blocks aus 8 Akkus mit Lötfahnen durch "in Reihe schalten" und Verlöten der entsprechenden Lötfahnen;


    Hinsichtlich des Akku-Blocks sind mir die folgenden Schwierigkeiten bekannt:
    Die STAINZ ist in verschiedenen Konstruktionsversionen im Handel: das beginnt mit unterschiedlichen Verbindungen zwischen den einzelnen Lokteilen bis hin zu unterschiedlichen Innendurchmessern der Kessel, die den Akku-Pack aufnehmen müssen, was Auswirkungen auf die Wahl der Akkus hat:
    In manche Kessel passen Mignon-Zellen mit einer Leistungen von bis zu 1600mAh, in andere wiederum lediglich Micro-Akkus, die meines Wissens leider im Moment nur bis zu einer Kapazität von 500mAh erhältlich sind.
    Grundsätzlich ist das eingelegte Blei-Gewicht zu verkleinern (mit Säge und geeigneter "Weichmetall-Feile") und dem Raumbedarf des Akkupacks anzupassen.
    Sicherheitshinweis:
    Handschuhe und Mundschutz tragen! Pulverisiertes Blei ist giftig!

    In meine STAINZ passten leider nur die Micro-Akkus, da ich keine Möglichkeit fand, den Kessel auszudrehen oder zu fräsen, um den Innendurchmesser für die minmal größeren Mignon-Zellen zu erweitern. (Vielleicht hat hier ein Leser einen wertvollen Tip?)
    Mit meiner Stromquelle von 500mAh Kapazität komme ich dennoch immerhin auf ununterbrochene Netto-Fahrzeiten von 60 Minuten bei "Vollgas" und mit 4 Güterwagen im Schlepp.
    Bei vorbildorientierter Geschwindigkeit und Betriebspausen reicht mir eine Ladung sehr gut für eine duchschnittliche Betriebs-Sitzung.

  6. Bohren der Löcher für die Ladebuchse und die drei Kippschalter und deren Einbau;
    Dabei findet die Ladebuchse sehr gut neben der Heizerfigur ihren Platz.
    Die Kippschalter müssen so nahe wie möglich zu dem höher stehende Mittelteil des Führerhausbodens platziert werden, um ausreichend Platz für den RC-Empfänger zu erhalten.
    Der hintere Schalter ist für die Fahrspannung zuständig, der mittlere für die Beleuchtung hinten, der vordere für die Beleuchtung vorn.
    Zum Laden des Akku-Packs trennen alle drei Schalter ihre Verbraucher von der Stromversorgung.

    Ladebuchse

    Die 3 Betriebsschalter

  7. Platzierung und Fixierung aller nicht verschraubten Komponenten mit doppelseitigem Klebeband;
    Dabei findet der Fahrregler seinen Platz vor der Feuerbüchse, der Festspannungsregler wird an geeigneter Stelle auf den Fahrregler geklebt, der RC-Empfänger steht hochkant auf dem Führerhausboden zwischen dem rechten Führerhaus-Einstieg und den Kippschaltern.

  8. Verdrahtung gemäß dem Fahrregler beiligenden Plan

  9. Lok-Zusammenbau

  10. Akkus laden, Setup für den Fahrregler durchführen, fertig!

Die umgebaute Maschine bei ihrem ersten "Planeinsatz";
Bei einer Vmax von umgerechneten 30 km/h reicht der Akku-Pack
mit 500mAh Kapazität für eine Betriebssitzung aus.


Fazit & Kosten:

Der Umbau war zum Teil nicht immer ganz einfach, aber wenn man überlegt und besonnen arbeitet, ist das Projekt für jeden erfolgreich durchzuführen.
Die Maschine läßt sich sehr feinfühlig steuern, die Zugkraft reicht locker aus, meine Live-Steam Lok FRIEDA plus 6 Güterwaggons an den Haken zu nehmen.
Das mache ich bevorzugt dann, wenn die Echt-Dampflok am Ende ihrer Betriebszeit wegen Wassermangels mit ihrem Zug auf der Strecke liegen geblieben ist. (Stilechter Abschleppdienst muss halt schon sein!)

Die STAINZ schleppt die liegen gebliebene Frieda samt ihrem Zug ab.

Die STAINZ schleppt
die FRIEDA mit ihrem Zug ab.
(Anlage Meliset)

Außerdem ist es für mich sehr angenehm, ohne Putzaktionen jederzeit auch einmal elektrisch im Freiland fahren zu können. Nicht immer hat man Zeit und Lust, eine Dampflok anzuheizen!

Der Preis für den Umbau ist leider ein Wehmutstropfen: Der ganze Spaß kostete mich ungefähr 133.- EUR (Stand: Frühjahr 1999).
Hier muss jeder selber wissen, was ihm die Sache wert ist - jedenfalls ich habe die Investition nicht bereut, zumal es mit einem preiswerten Modell so möglich war, das Umbau-Konzept grundsätzlich auszuprobieren.

Auf längere Sicht wird die STAINZ garantiert nicht das letzte Triebfahrzeug bleiben, das auf diese Art freilandtauglich gemacht wird!


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© M. Detzner, Speyer, 1999