Mein Modellbahner Lebenslauf
|
||||||||||
Die
50er/60er Jahre:
|
|
Das Wohn- und Geschäftshaus unserer Familie war keine 50 Meter von den Ausfahrweichen des Speyerer Hauptbahnhofes Richtung Germersheim entfernt.
|
Die Gütergleise liegen noch heute ungefähr 250 Meter nördlich meines Elternhauses.
|
Neben der räumlichen Nähe zur Bahn kam noch hinzu, daß ich
seit frühester Kindheit und später in meiner Freizeit meinen
Großvater oder meinen Vater sehr häufig bei ihrer Arbeit am Bahnhof
begleiten durfte.
Bei dieser Gelegenheit wurde ich dann auf haltende Dampfloks gehoben,
Lokführer und Heizer sorgten in der Regel dafür, daß ich
- sehr zur Erheiterung der dabeistehenden Erwachsenen - mit
kohlegeschwärztem Gesicht wieder von der Maschine herunter kam.
Als ich etwas älter war, brachten mir die Bahnarbeiter das Staplerfahren
oder das Kuppeln und Entkuppeln von Waggons bei.
Kurzum: Bis zu meinem 12. Lebensjahr war der Aufenthalt am
Bahnhof eine feste Größe für mich. Die Eindrücke jener
Jahre sind bis heute in mir lebendig.
Daneben hatte ich zu meinem zweiten Geburtstag eine TRIX EXPRESS
Modelleisenbahn geschenkt bekommen.
Jüngere Modellbahner können es wohl kaum glauben: Der Schwellenrost
der Gleise bestand aus Pappe, die Schienen aus Hohlblech und der Mittelleiter
war aus Draht.
|
Immer zu Weihnachten baute mir mein Vater eine neue Anlage auf, die Jahr
um Jahr etwas erweitert wurde. Mit zunehmendem Alter beteiligte ich mich
später an den Aufbauarbeiten, dabei interessierete mich vor allem die
Elektrik und Möglichkeiten der Automatisierung. Zur Landschaftsgestaltung
und zum Häuserbau wollte sich das Geschick noch nicht entwickeln.
Leider habe ich aus dieser ersten Modellbahn-Phase nur ein einziges Foto
von meiner stark bespielten BR 01.
|
Diese Aufnahme zeigt die Lokomotive vor dem aufgeschlagenen und senkrecht gestellten "Einband" des Trix-Kataloges aus dem Jahre 1966.
|
Auch war ich stolzer Besitzer einer BR 80.
|
Trotz fehlender Fotos: in meiner Erinnerung existieren immer noch einzelne, besonders gut gelungene Anlagen bzw. Anlagenteile.
Im Alter von ungefähr 14 Jahren wendete ich mich von der Modellbahnerei
ab, da die finanziellen Mittel, die räumlichen Gegebenheiten und mein
handwerkliches Können zur Weiterführung dieses Hobbys nicht ausreichten
und sich meine Interessen immer mehr in Richtung
Musik verschoben.
Trotzdem verpackte ich damals im Jahr 1967 meine Modellbahn mit dem festen
Vorsatz, irgendwann einmal wieder auf dieses Hobby im größeren
Stil zurückzukommen, wenn ich als Erwachsener die finanziellen Mittel
und räumlichen Möglichkeiten dazu hätte. (...)
Zum Jahreswechsel 1980 kam mein Studium allmählich in die Endphase - von einem meiner Lieblingsräume unter dem Dach der Universität Mannheim hatte man einen sehr guten Blick auf die Ausfahrtgleise und das Gleisvorfeld des Mannheimer Hauptbahnhofes Richtung Ludwigshafen. Immer häufiger stand ich träumend am Fenster und sah dem lebhaften Treiben auf den Gleisen zu - der Eisenbahnbazillus hatte wieder voll zugeschlagen!
Im Oktober 1980 hatte meine Frau ihr Studium beendet und deshalb wurde ihr
großer Büroschreibtisch in unserem gemeinsamen Arbeitszimmer nicht
mehr benötigt.
Der Entschluss reifte in mir, den frei werdenden Raum im Arbeitszimmer für
eine Modellbahn zu nutzen.
Aus Platzgründen und vor allem wegen der Kompatibilität der Fabrikate
entschloß ich mich, auf die N-Spur zu wechseln.
Da wir uns finanziell ziemlich einschränken mußten, verkaufte
ich per Annonce mein gesamtes altes TRIX EXPRESS Material (was mir
heute mehr als Leid tut), und stieg mit dem Erlös und einer MINITRIX
Startpackung in die Welt im Maßstab 1:160 ein.
Es entstand eine erste Kleinanlage, doch die Verschmutzungsanfälligkeit der MINITRIX Gleise und die daraus resultierenden Betriebsstörungen ließen mich für das nächste N-Projekt auf ARNOLD Gleismaterial wechseln. Die Fahrwege dieses Herstellers sind wegen ihres abgerundeten Schienenkopfes tatsächlich betriebssicherer und außerdem sind die Weichenherzstücke aus Metall und damit stromleitend. Die gefürchtete "Herzstücklücke" entfällt.
Bei dieser neuen Anlage - Baubeginn ca. 1983 - wurden erstmalig zwei Schattenbahnhöfe integriert, um so einen vorbildähnlichen Betrieb abwickeln zu können.
|
Nachdem wir im Sommer 1985 umgezogen waren, wollte ich die Anlage nicht mehr zu Ende bauen, da zu dem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war, wann unser Haus soweit renoviert sein würde, daß wieder Zeit für die Modellbahn wäre.
Inzwischen war unser erster Sohn geboren, der schon als Kleinkind kaum etwas lieber tat, als Eisenbahn zu spielen. Zu Weihnachten 1987 bekam er eine LGB Anfangspackung geschenkt, mit der er seine ersten "modellbahnerischen Schritte" tat.
Zum Jahreswechsel 1989 war endlich unser "Eisenbahn-Raum" fertiggestellt, der mit einer größeren LGB / PLAYMOBIL Anlage eingeweiht werden konnte.
|
Das Arrangement war fast raumfüllend und auf dem Boden aufgebaut. Auf einer gemalten Spielfläche aus Preßpappe (vergl. Nachfolger-Anlage) verlief eine Schmalspurstrecke in Form einer doppelten Kehrschleife. In einer der Kehrschleifen waren eine Ortschaft mit Bahnhof, ein Bahnübergang und Straßen integriert. Die Anlage war begehbar, unser Sohn konnte sich mitten in die Landschaft hineinsetzen und mit seinem Zug und den anderen PLAYMOBIL Teilen spielen.
Obwohl er zu diesem Zeitpunkt erst 4 Jahre alt war, ging an den sehr robusten LGB und PLAYMOBIL Fahrzeugen und Gleisen nie etwas kaputt!
Ganz nebenbei wurde ich wieder einmal von einem neuen Teufel geritten, denn
in HO setzte sich unaufhaltsam der Normschacht zur Kupplungsaufnahme durch,
die kulissengeführte Kurzkupplung wurde schrittweise zum Standard.
ROCO drängte mit den ersten (erschwinglichen) unverkürzten
D-Zug Wagen in Großserie auf den Markt, ebenso kam das neue
ROCO-LINE Gleis in die Läden und die Firma TRIX hatte
ihr Digitalsystem SELECTRIX zur Serienreife gebracht.
Und ich hatte einen Modellbahnraum von gut 27 Quadratmetern zur Verfügung!
(...)
1989/90 trennte ich mich - hauptsächlich wegen der unbefriedigenden Fahrkultur der Triebfahrzeuge - von meiner kompletten N-Sammlung und wechselte zurück auf die Spurweite meiner Kindheit: HO !
Ich schaffte mir zunächst eine Lokomotive an, ließ einen
Digital-Decoder von TRIX einbauen und erkundete ausgiebig die
Eigenschaften des SELECTRIX Systems, auch und besonders im Zusammenhang
mit den Möglichkeiten der Computer-Steuerung.
Dabei kam es mir besonders darauf an, dem Computer die Bereiche der
Anlagensteuerung zu übergeben, die man nur schwer selbst betreuen kann:
Schattenbahnhof, Blockstellen, Zugnummern usw.
Damit kein Mißverständnis entsteht: Ich lehne die vollautomatische Steuerung einer Modellbahnanlage für mich persönlich grundsätzlich ab, da man damit zum passiven Betrachter von Fahrzeugbewegungen degradiert wird! Meine Zielsetzung war und ist immer der vorbildorientierte und aktive Betrieb - und dabei kann ein Computer gute Hilfsdienste leisten. Außerdem gelingt es nur mit einem "Rechenknecht", die Möglichkeiten eines Digitalsystems preiswert und vollständig auszureizen!
Als ich das Digitalsystem soweit beherrschte, wie ich es mir vorgestellt hatte, ging ich an die Ausführung der in meinen Eisenbahnraum (27 qm) hineingeplanten, raumfüllenden Großanlage. Dem Thema lag die Erlebniswelt meiner Kindheit zu Grunde:
Einfahrt aus Richtung Germersheim |
|
|
|
Der Bau der Anlage begann zum Jahreswechsel 1990/91. Kernstück sollte der unten abgebildete Bahnhof werden, der aus dem Originalgleisplan des Speyerer Bahnhofs entwickelt wurde. Bei der Planung legte ich besonders Wert auf den Einsatz unterschiedlicher Weichentypen, 3 Meter langer, breiter Bahnsteige und großzügiger Flexgleis-Bogen. Das unten abgebildete Teilstück hatte eine Längenausdehnung von ca. 5,90 Meter.
|
Bei genauem Hinsehen erkennt man, daß ich im Vergleich zum Vorbild
auf ein Güterzugaufstellgleis verzichtete und daß die
Güterabfertigung auf die andere Bahnhofsseite, den Gütergleisen
direkt zugeordnet, plaziert wurde.
Auch mußte ich aus Platzgründen die Dieseltankstelle, das Gleis
mit dem Wagenmaß und den Anschluß an eine ehemalige Kohlehandlung
opfern.
Zwei zehngleisige Schattenbahnhöfe - "Germersheim" und "Schifferstadt"
- sollten einen abwechslungsreichen und vorbildmäßigen Betrieb
langfristig gewährleisten. Es waren drei Ebenen vorgesehen, die über
lange Rampen miteinander verbunden waren. Dies ergab als Nebeneffekt lange
Paradestrecken. Im sichtbaren Bereich sollte auf der Strecke der engste Radius
200 cm betragen. Die Bahnhofsgleise waren ausgelegt für Züge bis
zu 350 cm Länge, die Schattenbahnhofsgleise konnten (Güter) Züge
von fast 500 cm Länge aufnehmen.
Sie ahnen sicher schon, wie es kam:
Verführt von dem üppigen Platzangebot und meinem damaligen Hang
zur Gigantomanie ging das Projekt nur sehr schleppend voran. Hinzu kamen
der Mangel an Freizeit und die immensen Kosten (nicht zuletzt für das
Digitalsystem) bei einer Anlage dieser Größenordnung.
Kurz und gut: Im Sommer 1998 baute ich, nach gut 7 Jahren, den Anlagentorso ab, weil ich mir meine Fehlplanungen eingestanden hatte und - weil ich mal wieder von einer neuen Idee gefesselt war.
Rückblickend kann ich sagen, daß die einzige richtige Entscheidung damals war, den Unterbau der Anlage aus Metall-Winkelprofilen zu erstellen. Die Schraubtechnik verursacht beim Auf-, Ab- und vor allem beim Umbau der Anlage kaum Schmutz, und die Profile sind leicht wieder zu verwenden, auch für Konstruktionen, die nichts mit der Modellbahn zu tun haben.
|
Dazwischen gab es aber auch erfolgreichere Kapitel im Modelleisenbahnbau:
Auch unser 1988 geborene zweite Sohn hatte bis ins Jahr 1991 sein Interesse an der Modellbahn entdeckt. Für beide Söhne baute ich in diesem Jahr eine neue, transportable Segment-Anlage in Spur IIm (LGB/PLAYMOBIL).
|
|
Wie schon bei der ersten Anlage in IIm/G verlief auf
einer bemalten Spielfläche aus Preßpappe eine ovale Schmalspurstrecke
auf einzelnen Trassenbrettern, es gab eine Ortschaft mit Bahnhof, in dem
Zugkreuzungen stattfinden konnten, einen spielintensiven Bahnübergang,
auf dem es regelmäßig schwere "Unfälle" mit Spielfiguren
oder Fahrzeugen gab, eine Laderampe und einen abnehmbaren "Eckberg", gebaut
aus einem alten Karton und überzogen mit einem alten Betttuch. Dazu
Straßen und wiederum die Möglichkeit, die Szene zu betreten und
darin zu spielen.
Diese Anlage war relativ klein, war im Kinderzimmer noch unterzubringen und
doch transportabel, so daß auch im Sommer bei schönem Wetter im
Garten gespielt werden konnte.
Im Jahr 1992 übereignete unser ältester Sohn sämtliches Spur IIm Material seinem jüngeren Bruder. Der Große bekam zu seinem Geburtstag nun eine ROCO HO Startpackung geschenkt, mit der er die nächsten zwei Jahre experimentierte.
Zu Weihnachten 1994 wünschte er sich von uns "eine richtige Anlage,
mit Landschaft, Gleisbildstellpult und Schattenbahnhof".
Zu Weihnachten bauten meine Frau und ich ihm nach seinen Vorstellungen seine
Traumanlage, die auf seinen ausdrücklichen Wunsch in gewisser Weise
wie die bekannten Fertiggelände aussehen sollte. Unser Sohn wollte dann
diese Anlage mit Bäumen, Häusern usw. selbst komplettieren.
|
In der Bergkette an der hinteren Längsseite war ein kleiner, dreigleisiger Schattenbahnhof verborgen, die Anlage wurde mit Hilfe eines selbstgebauten Gleisbildstellpultes konventionell gesteuert.
Kurz nach Weihnachten kam die Aufforstung der Landschaft mit Bäumen und Islandmoos, und in der Ortschaft entwickelte sich rege Bautätigkeit. Schon bald war an der Hauptstraße kein baureifes (HO) Grundstück mehr zu bekommen.
Die Gleisführung erlaubte einen sehr abwechslungsreichen Betrieb, der
nicht nur meinen Sohn stundenlang in Atem hielt!
Es war auch sehr gut möglich, zu zweit an der Anlage zu spielen: Ein
Spieler war der Stellwerker und Rangierer, der andere saß am Regler.
Beide Aufgabenbereiche machten sehr viel Spaß und erforderten volle
Konzentration!
|
1996 war nun der
jüngste Sohn ins HO-Alter gekommen. Er stieg mit ROCOs
"digital is cool" in 1:87 ein und besteht darauf, Stück
um Stück seine Anlage selbst aufzubauen. Die Gleise liegen schon, es
ist alles verdrahtet, Haus- und Landschaftsbau sind angesagt. Im Laufe der
Zeit sind allerdings noch andere Interessen hinzu gekommen.
Der Erlös aus dem Verkauf von LGB Teilen und gut erhaltenem
PLAYMOBIL Spielzeug bildeten für ihn übrigens den finanziellen
Grundstock, recht groß zu beginnen. (...)
Mein Modellbahn-Freund
Karlheinz Mattern
hatte mich gebeten, ihn als Helfer zum 2. Echtdampf-Hallentreffen im Januar
1998 in die Sinsheimer Messehallen zu begleiten.
Die drei Tage in Sinsheim hatten etwas wieder in mir geweckt, was wohl seit
den 80er Jahren latent war: Das Interesse und die Begeisterung für
große Spuren und für
Live-Steam Modelle.
Ich kam nach Hause und es war klar: zum nächsten Treffen in Sinsheim
würde ich eine eigene Live-Steam Lok haben und als Aktiver mitdampfen.
Bald war die Entscheidung gefallen: ich stieg mit einem Lokomotiv-Bausatz der Firma Regner in die Welt des Echtdampf-Betriebs ein!
Werksfoto der Lok, über deren Bau ich auf |
Doch damit nicht genug! HO Fahrzeuge hatten für mich irgendwie ihren Reiz verloren. Nach langem hin und her war der Wechsel beschlossen: Die Spurweite der Zukunft ist für mich IIm/G.
Neben dem Bau der Echtdampf-Lokomotive
(Fertigstellung zum Jahreswechsel 1998/99) bin ich mit der Planung einer
IIm/G Garten-Anlage beschäftigt.
Die Idee dabei ist, keine Spannung am Gleis liegen zu haben, denn
verschmutzte bzw. durch Live-Steam Betrieb verölte Gleise und/oder
korridierte Schienenverbinder sind für elektrisch betriebene Fahrzeuge
niemals wirklich kontaktsicher.
Deshalb werden auf dieser Anlage ausschließlich Live-Steam Modelle
und auf Akku-Betrieb und RC-Steuerung umgebaute Triebfahrzeuge von Lehmann
verkehren. Vielleicht wird auch irgendwann einmal ein Echt-Diesel Fahrzeug
dazu kommen.
Außerdem wird in meinem Modellbahnkeller eine digital gesteuerte Innen-Anlage entstehen, um bei schlechtem oder kaltem Wetter ebenfalls fahren zu können.
Nach mancherlei Irrungen und Wirrungen habe ich scheinbar nun doch das Schmalspur-Nirvana erreicht.
[ Home ]
© M. Detzner, Speyer, 1998-2002