Meine erste Live-Steam Lok
"FRIEDA"


 

Werksfoto "FRIEDA"

 
Ein Bausatz von Fa. REGNER, Aurach
 Tipps und Tricks zum Bau der Maschine

FRIEDA-Spezial: Betriebsstörungen und ihre Beseitigung

Meine Lok stammt aus der ersten Lieferserie!


Zum Preis von 1330.- DM erstand ich im Sommer 1998 bei der Fa. Regner in Aurach den vorlackierten Bausatz des B-Kupplers "FRIEDA", einer Live-Steam Lok für Einsteiger, die im Grunde ohne großen Aufwand von jedermann erfolgreich aufgebaut werden kann.

Allerdings gibt es einige hilfreiche Kniffe bei der Montage, die ich hier vorstellen möchte. Diese Seite ist jedoch keinesfalls als Ersatz, sondern lediglich als Ergänzung zur Bauanleitung der ersten Lieferserie (!) gedacht!

Mittlerweile ist die Maschine von Fa. Regner nochmals technisch optimiert und die Bauanleitung inhaltlich überarbeitet worden.

Einige Überlegungen auf dieser Seite sind allerdings grundsätzlicher Natur und unabhängig von einem bestimmten Modell oder Hersteller.

Werkzeug/Arbeitsmaterial

Dem Bausatz liegt ein Steckschlüssel für Sechskant-Kopfschrauben der Größen 3mm und 4mm, ein Gabelschlüssel 3mm und 4mm und ein Imbusschlüssel 1,5mm bei.
Sie benötigen an eigenem Werkzeug einen Satz Feinmechaniker Schraubendreher in guter Qualität, einen kleinen Hammer, ein Stück Holz, Streichhölzer oder/und Zahnstocher aus Holz, Gabelschlüssel 6mm und 8mm, säurefreies Öl, Vaseline oder Seife, Zahnpasta, Sekundenkleber oder/und Schraubensicherungslack und diverse Lappen. Außerdem Schleifpapier der Körnung 400, 800 und 1000, sowie Polierleinen.
Hilfreich ist eine kleine Zange, ein Metallwinkel und eine Glasplatte (oder eine andere absolut ebene Oberfläche), Schneideisen für Innengewinde 3mm und eine Tube Alleskleber.
Zum Ausblasen der Bauteile, zum ersten Probelauf mit Druckluft und zum Einstellen der Steuerung ist ein Kompressor sehr nützlich und empfehlenswert.

Baugruppe Zylindereinheit

Der erste Bauabschnitt ist für eine gute Laufleistung der Maschine der wichtigste! Legen Sie alle Bauteile getrennt nach rechter und linker Zylindergruppe in je eine Schachtel! Blasen Sie mit Druckluft zunächst grundsätzlich alle Bauteile und besonders die Dampfkanäle aus, um Produktionsrückstände (Messingstaub oder gar Späne) zu entfernen.

Die Steuerkolben

Ziehen Sie - falls am vorderen Rand ein Grat zu fühlen ist - die Steuerkolben mit 400er Schleifpapier ab. Achtung! Fasen Sie die Ränder nicht an, achten Sie auf genaue senkrechte Ausrichtung des Steuerkolbens beim Abziehen!
Ölen Sie Kolben und Bohrung ein und bewegen Sie den Steuerkolben leicht drehend hin- und her. Wischen Sie das gebrauchte Öl ab und wiederholen Sie den Vorgang mit frischem Öl solange, bis die Steuerkolben saugend in der Zylinderbohrung gleiten.
Falls der Kolben in der Bohrung klemmt, können Sie von vorn herein probieren, ob ein leichtgängiges Gleiten im anderen Zylinderblock zu erreichen ist. Nachdem Steuerkolben und Arbeitskolben einem Zylinderblock zugeordnet sind, dürfen Sie die Teile nicht mehr untereinander tauschen, deshalb für jede Kolben-/Zylindergruppe eine eigene Schachtel bereithalten!
Bei meinem Bausatz konnte ich auf die beschriebene Art und Weise bei einem der Steuerkolben keinen zufriedenstellenden Lauf erreichen. In diesem Fall muss man die betreffenden Teile "einläppen":
Etwas "Läppmittel" auf den Steuerkolben und in die Zylinderbohrung geben und beide Teile "einläppen", das heißt passend zueinander und miteinander einschleifen. (Für mein Läppmittel rührte ich eine Mischung aus Zahnpasta und Öl an. Statt Zahnpasta geht auch Chrompolitur.) Sparen Sie dabei nicht an Öl und achten Sie stets auf drehende Schleifbewegung, um Riefenbildung zu vermeiden! Vorsicht! Die Luft zwischen Kolben und Kolbenbohrung darf nicht zu groß werden. Ich habe stets nach einigen Minuten des "Einläppens" alle Teile sorgfältig gereinigt, eingeölt und auf saugende Beweglichkeit geprüft, bis ich schließlich mit dem Ergebnis zufrieden war.

Die Arbeitskolben

Falls Sie am Kolbenrand einen Grat fühlen, dürfen Sie - wie im Abschnitt "Steuerkolben" beschrieben - den Arbeitskolben ebenfalls abziehen.
Bei der fertig montierten Lok müssen sich später die Arbeitskolben unter Hitze mit der damit verbundenen Ausdehnung aller Metallteile bewegen.
Ich habe deshalb die Zylinder und die Kolben (mit angeschraubter Kolbenstange) einige Minuten in kochendes Wasser gelegt.
Klemmt der Kolben im erhitzten Zylinder, müssen Kolben und Kolbenbohrung ebenfalls wie oben beschrieben eingeläppt werden. Läßt sich der Kolben jedoch ohne zu klemmen bewegen, können Sie ohne Nacharbeit weiterbauen.

Das Eindichten des Arbeitskolbens mit zu einer Schnur gedrehtem Teflonband funktioniert, die Zylinder-Kolben-Einheit wird tatsächlich mit dieser Methode dicht.
Genauso geht das Ganze aber auch mit Teflon-Rundschnur (zu beziehen von Dampfmodellbau Reppingen, Fon: 02426-902490; Fax: 02426-902499; Mobil: 0172-3750496; e-Mail: reppingen@gmx.de).
Ich habe beides ausprobiert; allerdings kann ich im Moment noch nicht sagen, welche Methode bezüglich der Laufleistung die bessere ist.
Nur soviel: die Teflon-Rundschnur läßt sich für meinen Geschmack leichter montieren.
Herr Regner schwört allerdings auf seine in der Bauanleitung beschriebenen "Zwirbel-Schnur-Methode".

Bei der Montage des Zylinderdeckels ist Folgendes zu beachten: Sie schrauben den Zylinderdeckel fest, dabei bewegen Sie ständig den Kolben hin und her, um sicherzustellen, dass er ohne Klemmen läuft. Falls der Kolben doch klemmt oder nicht gleichmäßig in der Bohrung gleitet, gibt es nur ein Mittel: Zylinderdeckel wieder losschrauben, den ganzen Zylinderdeckel um ein Schraubloch auf dem Zylinderblock nach rechts (oder links) drehen und die Anschraub-Prozedur wiederholen. Möglicherweise müssen Sie den Dreh-Vorgang mehrfach wiederholen, bis sich der Kolben saugend und ohne zu Klemmen im Zylinder bewegen läßt.

Das Umsteuerventil

Es ist empfehlenswert, die Gleitflächen von Steuerscheibe und Umsteuerblock zu "veredeln", um unnötige Dampfverluste beim späteren Betrieb zu vermeiden und um den Steuerservo zu schonen.
Zunächst die beiden Flächen auf einer Glasplatte mit 800er und dann 1000er Schleifpapier unter kreisenden Bewegungen plan schleifen. Danach beide Oberflächen auf der Glasplatte einläppen (vergl. Steuerkolben!) und schließlich in einem letzten Arbeitsschritt auf Polierleinen abziehen. Grate an den Kanten der Dampfkanäle in der Steuerscheibe schlichten; sie würden ansonsten später Riefen in den Ventilkörper schneiden.
Nach dem Zusammenbau sollte sich die eingeölte Steuerscheibe auf dem Ventilkörper butterweich bewegen lassen.

Baugruppe Fahrwerk

Der Rahmen

Der Rahmen ist von der Fa. Regner bereits vormontiert (er ist bis auf die vordere Pufferbohle mit der "EMMA" baugleich), allerdings muss man noch die vordere Pufferbohle entfernen und durch die Pufferbohle der "FRIEDA" ersetzen.
Bei meinem Bausatz zeigte sich dabei, dass der Rahmen windschief vormontiert war (wohl auch deshalb, weil die Rahmenteile nicht von Produktionsrückständen gereinigt waren: Messingspäne und -staub befanden sich noch zwischen den vormontierten Teilen und waren mit einlackiert), die Bohrungen für die Achsen fluchteten nicht und so hätten die Achsen nicht eingezogen werden können.
Der vormontierte Rahmen wurde zunächst vollständig zerlegt und von Produktionsrückständen befreit. Danach erfolgte auf einer Glasplatte und mit Hilfe eines Metallwinkels die Neumontage mit der Pufferbohle der "FRIEDA". Bei diesem Arbeitsschritt zog ich auch gleichzeitig die Achsen mit ein. Erst wenn alles im Winkel ist und sich die Achsen ohne Widerstand leicht drehen lassen, werden alle Schrauben endgültig festgezogen. Die Räder stellt man auf eine Spurweite von ca. 39 - 40 mm ein.

Spurweite Frieda

Spurweiten-Einstellung gemäß Skizze

Der Einbau der Zylindereinheit in den Rahmen

Entfernen Sie in den Aufnahmeschlitzen für die Zylindergruppe den Lack, um die Zylindergruppe leichter montieren zu können; die Fertigungstoleranzen sind sehr gering!
Kleben Sie mit einem Tropfen Alleskleber die Beilagscheiben an die dazugehörigen Muttern, dann sind sie Ihnen bei der Montage nicht mehr im Weg. Der Alleskleber löst sich wieder, wenn die Muttern angezogen werden.

Einbau des Umlaufblechs

Bei meinem Bausatz war eines der Gewinde im Rahmen am oberen Ende ausgerissen, weshalb die zur Montage vorgesehene Schraube M2x4 in diesem Gewinde nicht mehr greifen konnte. Eine Schraube M2x7 beseitigte das Problem. Sie kann übrigens grundsätzlich zur Befestigung des Umlaufbleches benutzt werden, die Gewindetiefe reicht dafür aus.

Einbau des Gestänges

Die Treibstangen sind bei der Lokomotive gekröpft, um die Kraft von der Bewegungsebene des Arbeitskolbens auf die Räder zu übertragen, ohne dass die Treibstange schräg läuft.
Bei meinem Bausatz war diese Kröpfung werksseitig nicht sauber ausgeführt, vorsichtiges Nachbiegen nach Augenmaß war nötig, damit die Enden der Treibstangen mit ihrer jeweiligen Bewegungsebene fluchteten. (Vorsicht! Messing dieser Materialstärke ist recht spröde!)

Um die Lok optisch noch etwas aufzuwerten, wurden die Treibstangen vor der Montage rot ausgelegt.

Treibstangen "FRIEDA" - Detailansicht

Treibstangen farblich ausgelegt

Ein spannender Moment:
Erster Probelauf mit Druckluft

Wenn das Fahrwerk und das Gestänge montiert und die Einstellarbeiten gemäß Bauanleitung erledigt sind, sollten Antrieb und Fahrwerk ausgiebig mit Druckluft getestet und etwas "eingefahren" werden. Vergessen Sie nicht, ab und zu etwas säurefreies Öl (kein Dampföl!) in die Druckluft-Leitung zu geben, damit die Maschine nicht trocken läuft und in dieser Phase kein Malheur passiert!
Mein Modell setzte sich nach ungefähr 25 Minuten bereits bei einem Druck deutlich unter 0,5 bar in Bewegung. Die Umsteuerung funktionierte ebenfalls tadellos.

In dieser Erprobungsphase sollten Sie die Feineinstellung der Steuerung zur Leistungsoptimierung vornehmen und - falls sich doch eine Ungenauigkeit eingeschlichen hat - gnadenlos alle mechanischen Unzulänglichkeiten oder Undichtigkeiten im "Druckteil" der Lok beseitigen.

Baugruppe Kessel

Der Wasserstand

Das diffizilste Teil bei der Kesselmontage ist in meinen Augen der Wasserstand. Dem Bausatz liegt ein Ersatz-Glasröhrchen bei, da das Risiko, dass es bei der Montage zerbricht, recht groß ist.
Man kann den Bruch des Glasröhrchens jedoch leicht verhindern, indem man zum Ausrichten der Wasserstandseckstücke einen 4mm-Bohrer oder - noch besser - einen 4,2mm-Bohrer in diese steckt. Erst wenn der Bohrer nicht mehr klemmt und die Eckstücke genau mit dem Bohrer fluchten, dürfte dem Glasröhrchen (auch später beim Anheizen) nichts mehr passieren. (Zumindest bei mir hat das so geklappt!)
Mancher Besitzer einer Regner-Lok beklagt sich darüber, dass der Wasserstand wegen seines geringen Durchmessers nicht richtig anzeige. Ich zog in das Glasröhrchen eine Ader einer Modellbahn-Kupferlitze ein - und schon wurde der Wasserstand ausreichend genau angezeigt!

Der Dampfabsperrhahn

Das Gewinde des Dampfabsperrhahns, das in den Armaturenblock eingeschraubt und mit einer Mutter gekontert werden soll, ist für meinen Geschmack etwas zu kurz geraten, besonders wenn man bedenkt, dass eine Kupferdichtung noch über das Gewinde kommen und zusätzlich mit Teflonband eingedichtet werden soll.
Ich habe mir damit geholfen, dass ich die Kontermutter M5x0,5 um ca. 25-30% dünner geschliffen habe. Dadurch gewinnt man mehr Gewindetiefe zum Einschrauben des Dampfabsperrhahnes. (vgl. Pfeil)

Kesselarmaturen "FRIEDA" - Detailansicht 1

Der Pfeil markiert die
dünner geschliffene Kontermutter

Der Öler

Blasen Sie den Öler mit Druckluft durch und achten Sie dabei darauf, dass das Bohrloch in Richtung Rauchkammer nicht verstopft ist. Das Gewinde der Regulierschraube wird mit etwas Teflonband eingedichtet.

Der Brenner und die Dampfleitung

Es ist sinnvoll, den Brenner vor der Dampfleitung zu montieren, da ansonsten die Dampfleitung bei der Brennermontage unter Umständen im Weg ist.
Der Brenner und die Kesselrückwand sind gegenüber dem Modell, das in der Bauanleitung (S. 8) abgebildet ist, konstruktiv geändert:
Auf die Kesselrückwand ist eine runde Passung aufgelötet, in die der Brenner mit seinem entsprechenden Gegenstück eingesetzt werden muss. (Pfeil 1)
Im Gegensatz zur Bauanleitung wird der Brenner mit einer für die Praxis ungünstig positionieren Schraube M2x7 gesichert. (Pfeil 2)

Kesselarmaturen "FRIEDA" - Detailansicht 2

Pfeil 1 zeigt auf das Passstück für die Brenner-Aufnahme
Pfeil 2 zeigt auf die Brenner-Befestigungsschraube

Bei meinem Modell hatte ich das Problem, dass die beiden Passstücke nicht maßhaltig waren und der Brenner sich erst nach mühevollem Nacharbeiten (Verringern des Umfangs des Passstücks am Brenner durch Schleifen und Entfernen der Farbe im Kessel) einführen ließ.

Die Überhitzerschlange

Die Überhitzerschlange ist werksseitig bereits vorgebogen, allerdings erfordert sie einige Nachbiegearbeit, um in die Rauchkammer zu passen und die Verbindung zwischen der Dampfleitung und dem Dampfnippel auf dem Umsteuerventil herzustellen.
Hauptschwierigkeit dabei ist, dass die Überhitzerschlange beim Biegen nicht bricht bzw. reißt oder dass durch Knicken der Rohrquerschnitt zu stark verengt wird. Hier hilft nur bedächtiges Arbeiten.

Ursprünglich hatte ich einmal die folgende Vorgehensweise erwähnt:

Zwicken Sie zunächst von einem Schweißdraht (o.ä.) ein Stück genau in der Länge der Überhitzerschlange ab. Diesen Schweißdraht biegen Sie nun solange zurecht, bis er in die Rauchkammer paßt und sauber fluchtend die Verbindung zwischen Dampfleitung und Nippel hergestellt werden kann.
Mit Hilfe dieser Lehre aus Schweißdraht können Sie nun das Bauteil relativ problemlos in die richtige Form biegen.
Um ein Brechen/Reißen der Rohrwand zu vermeiden, füllen Sie die Überhitzerschlange mit feinem, trockenem Sand. Die Enden mit Klebeband verschließen. Nach dem Biegen läßt sich der Sand recht leicht wieder entfernen, allerdings ist gründliches Durchblasen des Rohres mit Preßluft notwendig.

Es hat sich leider gezeigt, dass es manchmal doch nicht so einfach ist, den Sand wieder aus dem Rohr zu entfernen, manche Modellbauer konnten nur mit Hilfe eines Ultraschall-Reinigungsgerätes die Überhitzerschlange wieder frei bekommen.

Deswegen kann ich diese Methode nicht mehr uneingeschränkt empfehlen!

Fernsteuerung

Ich bog mir zunächst einen kleinen Metallwinkel (Pfeil 2) und schnitt ein Gewinde M3 in den Lok-Rahmen. Den Steuerservo fixierte ich dann am Rahmen durch simples Anpressen mit einer Schraube M3 (Pfeil 1) und dem den Servo an seiner freien Längsseite umschließenden Winkel.
(vgl. Prinzip-Skizze)
Die "Anpressschraube" findet ein Lager in einer kleiner Ansenkung im o.g. Winkel, damit ist der Servo ausreichend gegen Verrutschen gesichert.
Die Verbindung zwischen Servo und Steuerventil stellte ich mit zwei Gabelköpfen mit Gewindelöthülsen und zwei in der Mitte zusammengelöteten Steuerstangen mit Gewinde her.
Der Akku-Pack wurde mit 2 Schrauben M3 gesichert. (Doppel-Pfeil 3)

RC-Einbau "FRIEDA" - Detailansicht

Pfeil 1 zeigt auf die Klemmschraube für den Servo
Pfeil 2 zeigt auf den Metallwinkel
Pfeil 3 zeigt die Schrauben zur Sicherung des Akku-Packs

Zur Verdeutlichung sind für das Foto glänzende, lange Flachkopf-Schrauben eingedreht. Tatsächlich benutze ich genau abgelängte Madenschrauben, die an den Sichtseiten rot lackiert sind, um das Erscheinungsbild des Rahmens nicht zu stören.

RC-Einbau "FRIEDA" - Prinzip-Skizze

Prinzip-Skizze zum Servo-Einbau

Das erste Anheizen

Für Einsteiger in das Live-Steam Vergnügen gebe ich hier eine etwas ausführlichere Anleitung:

Bocken Sie Ihre Maschine z. B. auf zwei Holzklötzchen auf. Wer hat, kann natürlich auch einen Rollenprüfstand benutzen.

Ölen Sie zunächst alle beweglichen Teile mit säurefreiem Maschinenöl ab.

Danach befüllen Sie den Öler mit Heißdampföl. Aber Vorsicht! Den Öler auf gar keinen Fall bis zum Rand füllen! Der Ölspiegel sollte gerade bis an den Absperrhahn reichen! Wenn Sie zu viel Öl eingefüllt haben, gelangt wegen des fehlenden Kondensations- Raumes im Öler kein Öl in die Dampfleitung, die Maschine läuft trocken und Sie können sich die Zylinder-/Kolbeneinheit ruinieren!
Das Handrad, das die Heißdampfölmenge reguliert, öffnen Sie ungefähr drei Umdrehungen, eher mehr. Es ist besser, die Lokomotive läuft zu fett, als zu mager!
Achtung! Nach spätestens vier (am Anfang besser drei) Fahrten kontrollieren, ob Heißdampföl nachgefüllt werden muß. Vor dem erneuten Befüllen zunächst durch Öffnen der Ablassschraube das Kondensat ablaufen lassen!

Befüllen Sie dann den Kessel mit ungefähr 150 ml destillierten Wassers. Achten Sie dabei darauf, dass Sie "richtiges" destilliertes Wasser für Laborzwecke benutzen und nicht das z. B. in Baumärkten erhältliche, sogenannte destillierte Wasser, das nicht wirklich destilliert, sondern nur entmineralisiert nach DIN und gegenüber manchen Metallen sehr aggressiv ist.

Falls Sie auf nach DIN entmineralisiertes Wasser angewiesen sind, sollten Sie es - laut Herrn Regner - mit 5% Leitungswasser verschneiden.
Wer irgendwo einen Luftentfeuchter stehen hat, kann auch das dort gebildete Kondenswasser verwenden, falls es nicht von der Raumluft zu sehr verunreinigt ist.

Sehr gut geeignet ist in jedem Fall fein(!) gefiltertes Regenwasser als Speisewasser. Geeignete Filtersysteme kann man im Aquarienbedarf erwerben.

Danach befüllen Sie den Gastank mit Butan - so empfiehlt es der Hersteller. Es geht aber auch sehr gut eine Mischung aus 30% Propan und 70% Butan. Der Vorteil der Mischung ist, dass man auch bei warmem Wetter oder nicht ganz kalter Lokomotive den Gastank noch ganz gut befüllen kann, nachteilig wirkt sich jedoch aus, dass durch den höheren Gasdruck der Gasbrenner nicht mehr so feinfühlig zu regeln geht.
Übrigens: auch Herr Regner fährt nicht immer reines Butan, sondern ebenfalls durchaus Mischung.
Danach drehen Sie den Gashahn leicht auf, zünden das Gas am Kamin, mit einem "Plop" schlägt die Flamme in den Brenner zurück, Sie hören ein Rauschen, es steigt Wärme aus dem Kamin - die Lok wird angeheizt.
Die Flamme darf dabei nicht in der Rauchkammer brennen, d. h. wenn Sie in den Kamin schauen, dürfen Sie keine Flamme sehen.
Stechender Geruch aus dem Kamin ist ein Zeichen dafür, dass der Brenner nicht gezündet hat.
Sollte der Brenner nicht richtig arbeiten, Gas abdrehen und Zündvorgang wiederholen. Möglicherweise hatten Sie den Gashahn zu weit geöffnet. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Möglicherweise müssen Sie aber auch den Brenner etwas aus dem Flammrohr oder aber die Düse etwas aus dem Brenner ziehen, das heißt den "Brennort" verändern. Hier hilft leider nur Ausprobieren.

Nach ca. 5 Minuten sollte die Lok genügend Dampf entwickelt haben und sich nach dem Öffnen des Dampfabsperrhahns in Bewegung setzen. Lassen Sie die Maschine "rund", aber nicht zu schnell laufen. Wenn das Sicherheitsventil abbläst, können Sie die Gaszufuhr etwas zurücknehmen.
Vorsicht! Wenn die Maschine anläuft, "spuckt" sie in der Regel in den Zylindern kondensiertes Wasser aus dem Kamin! Dieses "Spucken" sollte nach einigen Kolbenhüben (nach ca. 1 Meter Fahrt) aufhören.
Falls die Lokomotive jedoch weiterhin Wasser aus dem Kamin schleudert, bedeutet dies, dass der Dampf zu kalt (nass) ist, und Sie müssen an der Überhitzerschlange etwas nacharbeiten: Biegen Sie das Bauteil vorsichtig mehr vor das Flammrohr des Kessels, der Dampf wird dadurch heißer (trockener) und die Maschine hört auf zu "spucken".

Durch Ausprobieren ist es mir bei meiner "FRIEDA" gelungen, das "Spucken" einerseits abzustellen und den Dampf andererseits so zu temperieren, dass die Lokomotive auch in geschlossenen Räumen noch schön "raucht".
Ich vermute, wenn sich die Überhitzerschlange zu sehr vor dem Flammrohr befindet, wird der Dampf so heiß, dass kaum oder gar keine Dampfentwicklung über dem Kamin zu sehen ist.

Der Gasvorrat hält in der Regel länger als das Wasser. Deshalb: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, wenn die Lokomotive stehen bleibt, sofort die Gaszufuhr abzudrehen, um ein Durchbrennen des (wahrscheinlich) leeren Kessels zu vermeiden.

Wenn Sie dann ihre "FRIEDA" mit der zweiten Kesselfüllung auf das Gleis setzen, sollten - sauberes Arbeiten vorausgesetzt - ungefähr 20 Minuten Fahrzeit möglich sein.

Meine Maschine lief mit einem Zug aus drei Wagen auf dem sich in leichtem Gefälle aufgebauten Testoval (aus R1 = 60 cm und 8 Geraden G1 = je 30 cm) bei ständigem Nachregeln der Dampfzufuhr von vorn herein exakt 22 Minuten.

Diese Laufleistung wird auch im praktischen Anlagenbetrieb problemlos erreicht!

FRIEDA auf der Anlage von Manfred R. Meliset beim Andampfen am 24.04.99

FRIEDA auf der Anlage von Manfred R. Meliset beim Andampfen am 24.04.99

FRIEDA im Einsatz auf der Anlage Meliset

Fazit

Trotz einiger widriger Umstände hat mir der Bau der "FRIEDA" sehr viel Spaß gemacht, und die Lokomotive ist allen Interessenten und auch jedem Einsteiger zu empfehlen. Zudem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für mein Verständnis sehr günstig.

Gerade dann, wenn die Bausatzmontage einmal nicht so reibungslos verlief, zeigte sich die vorbildliche Geschäfts-Philosophie von Herrn Regner: Nach spätestens 48 Stunden (manchmal auch schon am nächsten Tag - je nachdem, wann ich mein Fax abgeschickt oder mit Herrn Regner persönlich telefoniert hatte) lagen reklamierte oder fehlende Teile kostenfrei im Briefkasten!
Diese Kundennähe und der mustergültige Service sind nach meinen Erfahrungen im Vergleich mit den Mitbewerbern (da habe ich auch schon andere Erfahrungen gemacht) im Live-Steam Marktsegment einmalig.

Mit etwas Geduld und manchmal auch einer gehörigen Portion Nachdenkens bin ich zu einer sehr gut und vorbildgerecht langsam laufenden, schön anzusehenden kleinen Live-Steam Lok gekommen, angesichts deren Laufkultur und Zugkraft so mancher Besucher des 3. Echtdampfhallentreffens im Januar 1999 in Sinsheim staunend stehen geblieben ist.

Der Bausatz ist bei sorgfältiger und bedächtiger Vorgehensweise meiner Meinung nach von jedem Bastler zu bewältigen, zumal bei Problemen Herr Regner jederzeit mit seinem Rat weiterhilft.

Verbesserungswürdig sind in meinen Augen lediglich zwei Bereiche des Bausatzes:

Die Lackierung der Maschine dürfte haltbarer sein, besonders sollte sie auf dem Metall besser haften. Es kann schon mal passieren, dass beim Ausblasen mit Druckluft Lack flächig "vom Winde verweht" wird. Allerdings kann man solche Stellen relativ leicht nachbessern, und Herr Regner gibt für diesen Zweck auch schon mal kostenlos ein Döschen Lack ab, man muss halt diesbezüglich mit ihm reden.

Die Montageanleitung ist besonders für den Anfänger nicht ganz optimal, da sie eigentlich für das Vorgängermodell, die "Emma", konzipiert ist. Die auf der zweiten (!) Seite 0 gezeigten Unterschiede zwischen der "FRIEDA" und der "EMMA" sind nicht ganz vollständig. Hier die nicht aufgeführten Unterschiede:

  1. Der Text über die Kesselmontage auf Seite 6 der Bauanleitung trifft nicht zu, man kann ihn getrost überlesen.

  2. Auf Seite 8 sind die Abbildung 29 und der Text zur Brennermontage nicht ganz zutreffend (s.o.), denn der Brenner ist konstruktiv geändert worden.

Aber - wenn ich die Lokomotive im ersten Versuch erfolgreich zum Laufen gebracht habe, warum sollten Sie das nicht auch fertigbringen?

Zum Schluß möchte ich mich bei all denen bedanken, die sich in hilfreichen Gesprächen mit mir ausgetauscht und mich so auf manch' gute Idee beim Bau der "FRIEDA" gebracht haben!

Alle Hinweise und Angaben unter Ausschluss jeglicher Haftung!


Home ]

 

© M. Detzner, Speyer, 1998 - 2000